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Seltenes Wintervergnügen auf zugefrorenen Rheinwiesen

Menschenkarawanen suchten am Wochenende eine willkommene Abwechslung zum Corona-Alltag und fanden sie auf den gigantischen Eisflächen der Uedesheimer Rheinwiesen. Sie waren unterwegs mit Bollerwagen, Schlitten, Schlittschuhen, Picknickkörben, heißen Getränken, Regiesesseln ─ alle dick eingemummelt, um der klirrenden Kälte bei strahlendem Sonnenschein zu trotzen. Auf dem Eis tummelten sich blutige Anfänger im Schlittschuhlaufen neben Pirouetten drehenden Kürläufern.

Profimäßig ausstaffierte Eishockeyspieler waren in verminderter Mannschaftsstärke angetreten, um den Puck in das mitgebrachte Hockeytor zu versenken. Väter zogen ihre Kinder mit dem Schlitten über die gefrorene Fläche und Zaungäste betrachteten aus sicherer Entfernung das faszinierende Treiben auf dem Eis.

Grund für dieses außerordentliche Schauspiel war eine ungewöhnliche Wetterkonstellation. Die über Tage anhaltenden extremen Minusgrade ließen das vom Rheinhochwasser auf den Wiesen zurückgelassene Wasser gefrieren. Eine geringe Wassertiefe sorgte dafür, dass innerhalb kurzer Zeit eine stabile und glatte Eisschicht entstand, die man gefahrlos betreten konnte.
Im Umfeld der Rheinwiesen ging es etwas beschaulicher zu. Aber auch hier kam das Auge des Betrachters auf seine Kosten. Miniatureisschollen türmten sich zu bizarren Formationen und leuchteten im gleißenden Sonnenschein. An den Baumstämmen, Ästen und Wurzeln blieben Eisscherben nach Rückgang des Hochwassers haften. Verharschte Schneereste auf dem Deich glitzerten und funkelten im Gegenlicht.
Wer bei seinem Spaziergang die Route über den alten Deich wählte, konnte drei offiziell beauftragte Falkner beobachten, die mit ihren Wüstenbussarden auf Kaninchenjagd waren.

Bilder und Text: Ulla Quack