
Ein sonniger Tag zwischen Kloster Langwaden und Liedberg
Elf Wanderer legen am Donnerstag Vormittag in Langwaden los. Der Wassergraben ist wieder leicht gefüllt. Das Laub leuchtet schon herbstlich-bunt in der Sonne. Wir werden den dritten Abschnitt auf dem Fernwanderweg X 3, dem Rhein-Netteseen-Weg, laufen, 19 km.
Der Graf von Wevelinghoven schenkte, selbstlos und für sein Seelenheil, im Jahr 1145 das Areal einer Gruppe von Prämonstratenserinnen, die ein Kloster gründeten. Die heutigen Bauten sind etwa von 1830.
In Wevelinghoven treffen wir bei der Untermühle, auch Drees-Mühle, auf die Erft. Es ist eine der vielen alten Mühlen an der Erft, das denkmalgeschützte Wohnhaus ist aus dem 18. Jahrhundert.
Die Erft bringt uns zum Alten Pastorat, dem ältesten Wohnhaus in Wevelinghoven. Das barocke Juwel, erbaut nach dem Dreißigjährigen Krieg, ist vorzüglich renoviert und auf Anfrage auch zu besichtigten. Hier mussten der evangelische und der katholische Pfarrer bis 1670 unter einem Dach leben. Das soll nicht immer spannungsfrei gewesen sein.
An der Erftbrücke finden wir rechts eine Motte. Also die frühe Burg eines Landadeligen. Ob sie vom Grafen von Wevelinghoven bewohnt war, ist unklar. Es gibt drei weitere Standorte für den Grafensitz in der „Gartenstadt“.
Schöne, waldreiche Wege, aber auch ein Stück durchs Gewerbegebiet, bringen uns nach Hemmerden. Durch das alte Dorfzentrum erreichen wir einen langgestreckten Park, der uns Tische und Bänke für die Mittagsrast bietet.
Über Felder zum dreihundert Jahre alten Vellrather Hof. Die vierflügelige befestigte Anlage schaut uns heute etwas verwahrlost an. Ein Stück weiter gelangen wir zur Dycker Mühle, die ohne Flügel hinter einem Zaun steht. Die Aussicht ist weit.
Durch Aldenhoven und vorbei an Schloss Dyck, da lockt der Schlossladen mit seine neuen Äpfeln. Vorbei an der beeindruckenden alten Esskastanien-Allee geht es jetzt durch Rubbelrath und in die weiten Felder. Kurz vor Liedberg liegt Haus Fürth versteckt zwischen Bäumen. Das Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert ist die einzige, im Rheinland erhaltene Wasserburg im Fachwerkstil. Sie war über dreihundert Jahre verpachtet, daher hat niemand investiert und das Haus mit repräsentativen Steinen aufgemotzt.
Bald tauchen wir dann in den Liedberger Wald ein. Die Quarzit-Kuppe erhebt sich 35 Meter über die Umgebung. Oben steht die einzige Höhenburg im Rheinland, die nächste wäre die Schwanenburg in Kleve. Sandsteinbrüche noch aus römischer Zeit zerfurchen den Berg. Wir schlängeln uns durch verwachsene Pfade. Einen nachdenklichen Moment gibt es am Pfadfindergrab. Drei Jugendliche einer Düsseldorfer Pfadfindergruppe kamen 1930 im Stollen einer alten Sandgrube, im „Piratensaal“, durch einen Felssturz ums Leben.
Oben steht das aus einer Ruine wiederauferstandene Schloss Liedberg. Ein Industrieller hat sie mit viel Herzblut und noch mehr Geld restauriert. Seit 1100 sind die Grafen von Liedberg bekannt, ihre erste Burg stand ein paar Meter weiter, am Mühlenturm, einem urigen, alten Bergfried. Der Aufstieg lohnt.
Das Liedberger Landgasthaus bot müden Wanderern die verdiente Schlusseinkehr.
Wanderbericht (09.10.2025) von Harald Becker