
Sieben Unverzagte ließen sich von der sehr schlechten Wetterprognose nicht aufhalten und hatten
am Ende allenfalls zu beklagen, dass sie keine Sonnenbrille dabei hatten.
Wir gingen, geführt von Harald Becker, die vierte Etappe dieses schönen Fernwanderweges durch
niederrheinische Landschaften an. Auf 18 Kilometern waren vier Schlösser zu erleben: die einzige
Höhenburg des Niederrheins und drei Schlösser, die ehemals im Mittelalter auf Motten in
sumpfigen Flussauen entstanden waren. Unzählige Teppiche von Schneeglöckchen gaben den
Unterton an.
Zu Anfang streiften wir durch den mittelalterlichen Dorfkern von Liedberg. Schon die Römer
bauten Sandstein für die umliegenden Landhäuser ab. In den unterirdischen Gruben des Sandabbaus
kamen 1930 drei Pfadfinder aus Düsseldorf zu Tode, ihr Grab wird heute noch gepflegt. Auf der
Quarzitkuppe ließ sich ab etwa 900 ein Graf nieder, der urige Turm in der Ortsmitte war seine erste
Burg. Er siedelte 1279 in das Schloss über, das heute aus Ruinen eindrucksvoll wieder rekonstruiert
ist.
Vorbei am Gasthaus, das wir eigentlich aus Hengasch kennen, wandern wir über Felder zum Haus
Horst. Von einem Graben umgeben, liegt der ehemalige Rittersitz im Wald. Die ursprüngliche Burg
des westfälischen Adelsgeschlechts von der Horst ist nicht mehr da. Was wir heute sehen, ist ein
historisierender Bau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Man muss ihn nicht schön finden. Er
beherbergt jetzt eine Klinik.
Durch das Hoppbruch und über Felder erreichen wir den ausgedehnten Park von Schloss Rheydt. In
der ehemalige Motte in den Nierssümpfen hausten, nein wohnten, die Herren von Rheydt seit 1180.
Ein Otto von Bylandt ließ den Ort ab 1558 zu einem Renaissance-Schloss umbauen, heute dem
einzigen im Rheinland. Unterirdische Kasematten, das Museum und das Café machen es
besuchenswert. Wir bestaunten die vielen eitlen Pfaue, die sich im Hof herumtreiben. Oder sie uns?
Dass Joseph Goebbels, der aus Rheydt stammte, das Schloss 1940 zu seinem persönlichen
Gästehaus umbauen ließ, soll nicht verschwiegen werden.
Weiter durch die Niersauen gelangen wir durch sumpfige Bruchwälder in den Volksgarten. Der
Industrielle Peter Krall schenkte die Gegend zu Ende des 19. Jahrhunderts der Stadt Rheydt, die es
zu einem Park umgestaltete. Im Teich hauste der berüchtigte Killerwels Kuno, der einen Dackel
verschlungen haben soll. Obwohl es nur einen Zeugen, das trauernde Hundeherrchen, gab, wurde
Kuno berühmt. Im Schlossmuseum findet sich ein ausgestopfter Wels, der 1,50 Meter lang ist.
Kuno?
Am Teich haben wir eine angenehme Mittagsrast im Restaurant Salinas.
Nördlich des Schlossparks erreichen wir die begradigte Niers und folgen ihr bis zu unserem
heutigen Ziel. Rechts liegt das imposante Schloss Myllendonk, ebenfalls seit 1166 eine Motte der
Herren von Myllendonk. Deren Herrschaftsgebiet war fast identisch mit dem Gebiet der heutigen
Stadt Korschenbroich. Die im Kern noch mittelalterliche Burg ist auf Pfählen in die sumpfige
Niederung gebaut.
Links der Niers kommen wir in den unscheinbaren Mönchengladbacher Stadtteil Uedding. Wer es
nicht weiß, findet hier nicht das Atelierhaus von Heinz Mack. Nur durch ein kleines Guckloch im
Tor schaut man hinein. In der angrenzenden Allerweltskirche befindet sich eine Stele, die Heinz
Mack gestaltet hat.
Der Bus bringt eine zufriedene Wandergesellschaft zum Bahnhof in Mönchengladbach. Leise
bedauern wir alle, die dem Wetterbericht geglaubt hatten.
Wanderbericht (21.02.2026) von Harald Becker