Mit Harald durch die Niersauen

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Im Schneetreiben krabbelten wir aus dem Bus. Jeder der 15 Wanderer freute sich sofort auf die Schlusseinkehr im gemütlichen Café. Aber es half nichts, gewandert wird bei jedem Wetter. Bei wenigen Plusgraden verwandelte sich der Schnee in Nieselregen. So blieb das bis zum Schluss. Unter Regenschirmen hielten wir die Laune dennoch hoch und erfreuten uns an der niederrheinischen Landschaft.

Die Erlebnispfade Nord und Süd sind von der Gemeinde Wachtendonk angelegt und mit Wegezeichen des Naturparks Schwalm-Nette gut markiert. Vorbei am Friedhof, dort steht die Kapelle St. Sebastian. Hier war seit 1131 die erste Pfarrkirche des Ortes. Die heutige Kapelle ist von 1620, ein Denkmal und wird als Friedhofskapelle genutzt.

Dann geht es entlang der Niers, die sich durch die platte Landschaft windet. Sie mäanderte einst weit durch die Ebene und bildete eine ausladende, sumpfige Bruchlandschaft. Sie wird seit tausend Jahren begradigt, die Felder und Wiesen trockengelegt. So entstand die heute typische niederrheinische Landschaft mit ihren Viehweiden und nur noch wenigen Waldinseln. An ihrem Tiefpunkt war sie nur noch ein begradigter Abwasserkanal für die Textilindustrie, „Rio Tinto“ genannt.

Wir gelangen an die Mündung der Nette in die Niers. Gegenüber der Mündung ist das hier ein schöner Wasserblick. Die Nette ist Namensgeberin des Naturparks Schwalm-Nette. Sie entspringt bei Dülken und fließt 28 Kilometer weit bis hierher.

Jetzt aber auf die Selbstbedienungsfähre! Mit Muskelkraft ziehen wir unser Floß an Seilen über den hier 15 Meter breiten Fluss. Ein schönes Erlebnis. Dann geht es zu Fuß weiter durch die flache Landschaft in Richtung Wankum. Pappelreihen und eindrucksvolle Kopfweiden säumen den Weg. Durch die Bäume erhaschen wir einen Blick auf Haus Ingenraedt, ein Wasserschloss und eines der ältesten Häuser am Niederrhein. Der sichtbare Bau stammt im Kern aus dem Jahr 1627. Leider lassen die Besitzer nicht zu, dass man das Grundstück betritt, um das Haus von Nahem zu sehen.

Wankum ist ebenfalls eine sehr alte Siedlung. Vermutlich siedelten die Römer schon hier. Das bäuerliche Dorf ist erstmals 1279 erwähnt, als sich der Herzog von Brabant, der Erzbischof von Köln und die Grafen von Geldern und von Kleve hier trafen und den Wankumer Landfrieden abschlossen. Die Parteien schworen sich gegenseitigen Beistand bei der Bekämpfung von Falschmünzerei und Raubrittertum.

Die Hauptstraße wird von denkmalgeschützten Häusern gesäumt. Die Kirche ist jünger, neugotisch von 1905. Aber sie war geöffnet und somit der einzige trockene Platz des Tages für ein Picknick auf den Gebetsbänkchen. Die Kirche als Zufluchtsort für die Mühseligen.

Gut gelaunt ging es wieder in Richtung Wachtendonk. Am Ortsrand stehen wir vor dem alten Wasserwerk, das saniert ist und als Kulturzentrum dient. Gleich im Ortszentrum treffen wir auf eine idyllische Flussbiegung der Nette und gehen wieder hinaus auf die Südschleife durch die Niersauen. Viele Infotafeln erzählen über den alten Flussverlauf, die Landschaft und die Tierwelt.

Wieder am Ortsrand von Wachtendonk angekommen, stehen wir vor den Resten von Burg Wachtendonk. Auf einer leichten Erhebung, einer „Donk“ über der Sumpflandschaft von Nette und Niers, gründeten die Herren von Wachtendonk 1196 eine Burg. Die Burgsiedlung wird 1354 „Stadt“ genannt. Bald wurde auch eine Stadtmauer errichtet. Die Siedlung erlebte häufige Wechsel ihrer Landesherren und geriet in die Wirren des achtzigjährigen Krieges der katholischen Spanier gegen die Freiheitsbestrebungen der Niederlande. 1608 wurde die Stadtmauer geschleift, Reste sind am alten Pulverturm zu sehen. Dann kamen Stadtbrände, die Burg wurde abgebrochen und 1713 kam alles an Preußen.

Unser Gästeführer Wilfried Küsters brachte uns das mittelalterliche Städtchen und seine Geschichte sehr lebendig und fesselnd nahe. Zum Schluss sogar mit essbaren Kräutern und Gänseblümchen aus den Bauerngärten.

Das Cafe & Weinstube „Im Hinterhof“ toppte mit seinenen selbstgebackenen Kuchen in der gemütlichen Atmosphäre eines alten Hauses den Tag. Bus und Bahnen brachten uns pünktlich nach Neuss zurück. Sogar die Sonne kam heraus.

Wanderbericht (14.03.2026) von Harald Becker

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