Kleine Nachmittagswanderung mit Harald

 IMG 7742

An einem Donnerstag Nachmittag trafen sich 16 Wanderer am Markt in Wevelinghoven zu einer elf Kilometer langen Tour. 1138 bereits sind die Herren von Wevelinghoven aktenkundig, es gab eine unabhängige Grafschaft. Die Gegend gehörte zur Regionalmacht des Erzbistums Köln. Das angrenzende Grevenbroich war Teil des Herzogtums Jülich und so gab es manch feindliche Grenzkonflikte. Heute ist Wevelinghoven Ortsteil von Grevenbroich. Aber das Selbstbewusstsein spiegelt sich immer noch auf den Ortsschildern der „Stadt Wevelinghoven“, die es schon lange nicht mehr wirklich gibt.

Wir passieren das toll restaurierte Alte Pastorat. Gebaut kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, beheimatete es für einige Jahrzehnte den katholischen und den evangelischen Pfarrer unter einem Dach. Es soll so manchen Zwist zwischen den Amtsbrüdern gegeben haben. Wevelinghoven war die einzige, vom Erzbischof geduldete protestantische Gemeinde im ganzen Erzbistum. Davon zeugt die evangelische Kirche, die 1685 erbaut wurde und unverändert im klaren, einfachen und schmucklosen reformierten Stil erhalten geblieben ist.

Wir kommen an der Untermühle vorbei, der Drees-Mühle, bekannt seit 1305. Das Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert steht noch da, der Rest ist desolat.

Wir wandern aus der Ortschaft hinaus und erreichen den Wald hinter dem Kloster Langwaden. Das Gelände hatte der Graf von Wevelinghoven 1145 einer Gruppe von Prämonstratenserinnen geschenkt. Auf einem Weg, eher einem Trampelpfad, gehen wir entlang ausgedehnter Grabensysteme im Wald. Niemand weiß, welchem Zweck sie einst dienten. Das Kloster ist heute noch als Zisterzienserkloster aktiv. Der Biergarten lockt uns so früh am Nachmittag aber noch nicht, wir wollen ja noch laufen. Und zwar über die Schwarze Brücke an den Rand von Kapellen und dann entlang der Erft durch ausgedehnte Wald- und Wiesenlandschaften bis zur Obermühle mit Ursprung etwa 1150, heute Mühle Kottmann, mit ihrem Mühlenlädchen.

Ein schmaler Fußweg entlang der Erft führt uns durch üppige Natur am Rand von Wevelinghoven entlang. In einigen Jahren wird der Lauf der begradigten Erft hier stark verändert sein, der Fluss wird sich wieder in weiten Schleifen durch die Auen winden. Denn mit dem Ende des Braunkohleabbaus 2030 wird der Erft nur noch ein Drittel der heutigen Wassermenge zur Verfügung stehen. Rechts liegt am anderen Ufer die Erftinsel, auf der Forscher eine Burg der Grafen gefunden und sie für Spaziergänger markiert haben. Etwas weiter, an der nächsten Brücke, sehen wir eine Motte, einen mittelalterlichen Burghügel, der in der sumpfigen Flussaue lag. Vielleicht auch eine frühe Burg der Grafen.

Wir überqueren die Brücke am Seniorenstift St. Martinus. Das Café hat nur am Wochenende geöffnet. Also nicht für uns, heute am Donnerstag. So beschließen wir die Wanderung beim nahen Griechen, der uns zufrieden und nach einem spendierten Ouzo auf etwas wackligen Beinen zur Bushaltestelle entlässt.

Wanderbericht (09.04.2026) von Harald Becker

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.