Im Kaldenkirchener Grenzwald am 21.5.18
Wanderung mit Dagmar und Robert im Galgenvenn

Nachdem der hilflose und etwas verwirrte alte Mann mit seinem Rollator am Kaldenkirchener Bahnhof behutsam mit vereinten Kräften treppauf – treppab zum richtigen Gleis gebracht und dort in die Obhut eines freundlichen jungen Reisenden übergeben worden war, konnte Robert sein Wort zum Sonntag sprechen und dann unsere Wanderung starten.
Wir lagen etwas spät in der Zeit, da kurz entschlossen wegen Gewitterwarnung, Baldeneysee gegen Galgenvenn „geswitcht“ werden musste.

Unser Wanderleiter-Duo war auf der Vortour in ein heftiges Gewitter geraten, und just ein solches war für diese Gegend heute wieder angesagt worden.
Es galt nun zwar, ein paar Kilometer mehr zu bewältigen, aber was macht das bei so herrlichem Pfingstwetter und einer netten Truppe?
Zunächst führte der Weg ein gutes Stück durch den Ort, und hier konnten wir noch geschwind in einem hübschen Café einen Cappuccino genießen sowie die „Keramik-Abteilung“ aufsuchen. (Diesen Fachausdruck erlernt rasch, wer mit Robert unterwegs ist.)
Der Kaldenkirchener Grenzwald, dem wir zustrebten, wurde nach den beiden Weltkriegen für die Belgier bzw. die Niederländer als Reparationsleistung zur Abholzung freigegeben. Als dann auch noch im heißen Sommer 1947 ein schrecklicher Brand die letzten Bäume völlig vernichtete, musste aufgeforstet werden. Die Böden waren sandig und nährstoffarm, so dass sich zunächst anspruchslose Kiefern anboten. Später erfolgte dann die Pflanzung von Eichen und vielerlei Vogelschutzgehölzen. So entwickelte sich allmählich der prächtige Wald, wie wir ihn heute kennenlernen konnten.
Der Premium-Wanderweg führte uns fast ausschließlich über schattige weiche Pfade – eine Wohltat für Kopf und Füße. Es ging vorbei an kleinen Moorseen, alten Grenzsteinen, blühenden Ginsterbüschen und duftenden Robinien. In einem Tümpel wimmelte es von Kaulquappen.
Es begegneten uns zwar viele Wanderer und Radfahrer – kein Wunder bei dem schönen Wetter, aber alle schienen bestens gelaunt und rücksichtsvoll, was uns besonders bei den Mountainbikern positiv auffiel.
An der „Schlucht“ legten wir eine Pause ein und vesperten am langen Holztisch. Der Blick schweifte von der Höhe der Maas-Abbruchkante weit in die Niederlande hinein.
Weiter ging es, alte Dünen hinauf und hinunter, vorbei an Ton- und Sandgruben und „Flachskuhlen“, in denen früher die geernteten Flachsfasern in Wasser fermentiert wurden, um sie dann weiter verarbeiten zu können.
Wir erreichten den „Weißen Stein“, einen Ausflugspunkt mit mehreren Gartenlokalen und einem riesigen Spielplatz in der Nähe. Im Mittelalter gab es an dieser Stelle wahrscheinlich Gerichtsverhandlungen unter freiem Himmel, nun aber fanden sich ein paar freie Tische unter schattigen Markisen. Hier wurde ausgiebig Mittagsrast gehalten.
Auf dem Rückweg horchten einige von uns immer wieder leicht besorgt auf ein Brausen am Himmel und ferne Grummelgeräusche – zieht doch noch ein Gewitter auf? Von knurrenden Mägen konnte das Ganze nicht herrühren, denn gegessen wurde reichlich: überall im Wald fanden sich einladende Tische und Bänke, an denen von den Kollegen Apfelkuchen, Tomaten, Obst, kleine Würstchen und frische Kohlrabi-Happen in buntem Durcheinander angeboten wurden. Lecker!
IMG 1920kl

Vorbei ging es an der Sequoiafarm (Mammutbäume) zurück in den Ort. Im Café an der Kirche gönnten wir uns noch Eis und Kaffee und trudelten dann langsam am Bahnhof ein.
Gott sei Dank – der „Hundertjährige“ saß mit seinem Gefährt nicht mehr an Gleis 2. Auch er ist hoffentlich gut nach Hause gekommen.

Erika Klerx

P.S.: Dass dieser Premium-Wanderweg im Jahr 2016 zum zweitschönsten Wanderweg Deutschlands gewählt wurde, können wir nach unserer Tour gut nachvollziehen!