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Erlebnisbericht eines Zwangsinsulaners

Wo war ein Mitglied unseres Eifelvereins während der langen Coronakrise (er musste da bleiben, weil seine Flüge storniert wurden und dann keine Direktflüge mehr nach Düsseldorf geflogen sind ).
Er war auf einer der Inseln des ewigen Frühlings nahe bei Afrika, wo im Südosten der Insel jeden Tag die Sonne scheint, weil der höchste Berg Spaniens die regenreichen Passatwolken abhält. Der 3848 Meter hohe Berg hatte in all den Wochen einmal eine weiße Mütze: Schnee. Er hatte ein paar Tage soviel Schnee, dass der Autoverkehr dahin polizeilich gesperrt war. Wer hat die Inselbeschreibung erkannt?

 Es ist die Insel Teneriffa.

Zu Beginn der Urlaubszeit konnten wir Kultur und Natur erleben: Wir hörten Konzerte im Auditorio in Santa Cruz, einem so spektakulären Bau wie der Elbphilharmonie in Hamburg oder den Guggenheim Museen in NewYork und Bilbao. Wir machten Autoreisen über die Insel zum Berg Teide durch die Canadas - die 30 km große Grundfläche eines ehemaligen Vulkans - und fuhren durch die Passatwolken  zu den Weltkulturerbestätten Orotava, wo schon Humboldt war, und zur ehemaligen Hauptstadt Teneriffas, Laguna, einer Stadtgründung der Spanier, kurz nachdem Christoph Kolumbus hier gewesen ist, oder wanderten durch die weiten kanarischen Kiefernwälder - ein etwas anderer Wald als unsere Mischwälder.
Dann gab es noch Karneval, der hier über Wochen stattfindet für jeden Touristenort, aber auch kleine Dörfer feiern - anders als bei uns. Ein besonderes „ Erlebnis“ war Calima, ein Sandsturm aus der Sahara, der die Sicht auf wenige Meter reduziert, die Geschäfte müssen schließen und Autos stehen bleiben. Er war dieses Mal der heftigste seit Menschengedenken (sagte unser junger Cafebetreiber).
Aber dann kam Corona, erst eine lokal begrenzte Quarantäne für einige Hotels, dann Ausgangssperre (!) für die Kanaren und ganz Spanien. Und die wurde kontrolliert und sanktioniert durch die lokale Polizei, die Provinzpolizei und das Militär machte anfangs Straßensperren. Es wurden Bußgelder verhängt und sogar Gerichtsurteile gesprochen. Ich wurde einmal „verwarnt“.
Alle werden sich fragen: was bedeutet dir dein Urlaub und was machst du, wenn du das Haus nicht verlassen darfst außer zum Lebensmitteleinkauf und zum Gassigehen (die spanischen Nachbarn haben ihre Hunde hundelosen Menschen ausgeliehen). Da ist Zeit zum Lesen, lesen, .... und etwas Gartenarbeit, Flora pflegen, die einheimische Tierwelt füttern, die Echsen, Gekkos und Kanarienvögel und Schmetterlinge, und ... Netzkommunikation. Nachts gab es die Heimatzeitung NGZ digital und oft Konzerte im Livestream aus den Konzertsälen der Welt. Und sonntags hörte ich die von unserem Musikantenchef angebotenen Sonntagskonzerte im Netz. Die schlechten Nachrichten aus der Welt und aus Deutschland sahen wir lieber nicht und auch nicht die fast täglichen Talkshows - immer dasselbe Thema.
Und so vergingen die Wochen. Flugzeuge hörten wir immer seltener (wir wohnen nahe am Flugplatz aber außerhalb der Flugschneise), an manchen Tagen flogen ein paar, während sonst hunderte am Tag starten und landen. Die Tage wurden immer länger, jeden Tag Sonne und kein Strand und kein schwimmen und keine Touren. Und wenn ich mal einen Direktflug nach Düsseldorf hatte buchen können, wurde er storniert (was mache ich mit den vielen Gutscheinen?). Ich könnte immer noch über Dublin oder London oder Budapest und Kiew nach Düsseldorf fliegen, aber dann bleibe ich lieber hier. Im nächsten Monat soll der Flugverkehr wieder regelmäßiger werden, aber die ersten Flüge sind schon ausgebucht - und so bin ich noch hier.
Bald werden wir uns wieder sehen!

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Text und Bilder von Detlev Schäkel